Marokko Teil 10

Gara Medouar, Erfoud und Fossilienfunde

Nach einer mehrtägigen Zwangsunterbrechung (Mägdie hat eine Lebensmittelvergiftung, wahrscheinlich aufgrund einer abgelaufenen Konservenbüchse, die ungekocht verspeist wurde) kann es endlich weiter gehen mit unserer Reise. Die grobe Richtung soll die ‚Todra Schlucht‘ sein, doch wir machen zunächst einen ‚Abstecher’ zu ‚Gara Medouar’, etwa 15 Kilometer westlich von Rissani und 20 Kilometer südöstlich von Erfoud. Diese sehr ins Auge stechende, beeindruckende Erhebung sieht aus wie ein Vulkankrater, ist es aber unseren Recherchen nach nicht. Der vulkanähnliche Felskrater ist vielmehr ein durch Erosion entstandenes Relikt aus dem sog. Kabrium (vor etwa 541 bis 485 Millionen Jahren). Auf der Westseite hat der Krater eine Scharte, die schon vor 200 Jahren mit einer mächtigen Mauer verschlossen wurde. So diente der Berg dem Militär als natürliche Festung; entsprechende Mauerreste sind immer noch zu sehen.

Wir übernachten zunächst auf der ‚Rückseite‘ des ‚Kraters‘. Als Übernachtungs- und Stellplatz ist der gewählte Ort wieder einmal traumhaft: Völlig ruhig, keine Menschenseele um uns herum, wunderschönes Panorama. Am nächsten Tag wollen wir uns ‚nur kurz’ die Beine vertreten und wandern ein Stück weit den Hügel hinauf, als wir zufällig eine Entdeckung machen: Zu unseren Füßen sehen wir erst eine, dann zwei und dann unzählige Versteinerungen. Wir hatten zwar gelesen, dass es um Erfoud herum Fossilienfunde gibt, aber dass sie so zahlreich vorhanden sind und vor allem: Dass ausgerechnet WIR die Entdecker sein werden, damit hatten wir nicht gerechnet. Wir sind begeistert. Zum einen entdecken wir Trilobiten, die als Leitfossilien des Kambriums gelten. Auch Fossilien vom Armfüßern, welche ähnlich aussehen wie Muscheln (ebenfalls Leitfossilien des Kambriums) fallen uns in die Hände. Des Weiteren finden wir viele Kopffüßer alias ‚Orthoceras’ aus dem Devon. Wir sammeln eine ganze Einkaufstüte voll mit vielen weiteren Fossilien aus späteren Erdzeitaltern, die noch zu begutachten und identifizieren sind. Es ist so spannend, Relikte aus einer so weit zurückliegenden Zeit in den Händen zu halten! Das Fossilien-Fieber ist geweckt und ein Sachbuch über Fossilien steht bereits auf der Wunschliste für den Weihnachtsmann. Wir erfahren später auch, dass der ‚Gara Medouar‘ auch schon als Filmkulisse gedient hat z.B. für ‚die Mumie‘, ‚die Rückkehr der Mumie’ und ‚James Bond: Spectre‘.

Am nächsten Tag unternehmen wir dann etwas, was wir zuvor noch nie auf Reisen getan haben: Wir gehen ins Museum. Ja, so weit ist es nun schon gekommen! Wie ein Rentnerpaar gehen wir im Urlaub ins Fossilien-Museum. LOL. Aber das Fossilien-Fieber fordert nun einmal seine Tribute. Direkt vor dem Museum in Erfoud sind Fossilienfunde ausgestellt, die man käuflich erwerben kann. Wir finden heraus, dass die Fossilien, die wir gefunden und eingesammelt haben ca. 15-30 Euro pro Stück wert sind bzw. theoretisch wert sein könnten. Wir behalten unsere Schätze jedoch lieber als Andenken oder Mitbringsel für Familie und Freunde. Im Museum selbst kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus: Riesige Trilobiten und riesige Ammoniten sind ausgestellt. Besonders gefallen uns die Sagittalschnitte durch Ammoniten, deren Kammern mit Sediment und grobkristallinem Kalzit gefüllt sind. Faszinierend sind auch die ausgestellten Mineralien und Halbedelsteine. Besonders die weißen Arfvedsonite haben es uns angetan und treiben uns dazu, im Museums-Shop ein paar Mitbringsel aus jenem Natrium-Eisen-Silikat käuflich zu erwerben. Gefragt nach dem Fundort erfahren wir, dass die Silikate in der Nähe von Imichil in der Region Draa-Tafilalet im Hohen Atlas zu finden sind. Ob wir mal eben einen Abstecher dorthin machen sollen? Wir werden sehen …