Marokko Teil 13

Dades Schlucht, Ouzoud Wasserfälle, Marrakesch

Nachdem wir es erfolgreich aus der ‚Todesstraße’ heraus geschafft haben, kommen wir nach insgesamt drei Tagen endlich bei der Dades Schlucht an. Ähnlich wie die Todra Schlucht ist auch die Dades Schlucht vom gleichnamigen Fluß ‚Qued Dades’ geformt worden, der sich auf dem Weg vom Hauptkamm des Hohen Atlas nach Süden tief in die Gebirgsketten eingeschnitten hat. Die Dades Schlucht besteht aus seltsamen Felsformationen, hellgrünen Palmentälern und schroffen Gebirgsspitzen in allen Formen und Farben. Es wachsen hauptsächlich Pappeln, Feigen, Mandeln, Nüsse und Granatäpfel, die die vielen kleinen und größeren Gärten und Felder am Fluss entlang säumen.

So viele Laub- und Obstbäume haben wir in Marokko schon lange nicht mehr gesehen. Die Pappeln tragen bereits ihr Herbstkleid und leuchten gold-gelb. Dies alles wirkt etwas surreal vor dem roten Hintergrund der Felsen und den schneebedeckten Bergen des Hohen Altlas. Dazwischen liegen immer wieder kleine Ortschaften und Kasbahs. Wir überlegen, welche Schlucht uns besser gefallen hat: Todra-Schlucht vs. Dades-Schlucht? Mägdi tendiert zur Todra-Schlucht, denn es ist ja schon so, wie Cat Stevens bereits 1967 treffend bemerkt hat: ‚The first Cut is the deepest.‘ Toni ist vom Dades-Tal sehr angetan. Es bleibt also unentschieden. Wir machen erst einmal einen Stop in einem Panoramarestaurant am höchsten Punkt der berühmten Serpentinenstraße und genießen die Aussicht bei einem leckeren Tajine Brunch.

Da wir wieder einmal Termine haben (unser Flug nach Nürnberg am 04. Dezember 2018) können wir die Dades Schlucht leider nicht ausgiebiger erkunden sondern bewegen uns langsam schon in Richtung unseres nächsten Ziels: Die Ouzoud Wasserfälle im Mittleren Atlas, 150 km nordöstlich von Marrakesch. Um dorthin zu gelangen, nehmen wir die R307 kurz vor Ouarzazate Richtung Norden und überqueren somit einmal den Hohen Atlas. Dieser erhebt sich vom Westen an der Atlantikküste in östliche Richtung bis vor die algerische Grenze. Der höchste Gipfel, der Toubkal, erreicht 4167 Meter. Bei unserer Fahrt bleiben wir jedoch auf einer Höhe von etwa 2300 Meter über dem Meeresspiegel. Wir haben immer wieder eine schöne Aussicht auf kleine Dörfchen, landwirtschaftliche Felder und natürlich die schneebedeckten Spitzen des Atlas im Hintergrund. Fast zwei Tage lang geht es über die kurvenreiche Straße entlang abgelegener Bergdörfer, Kornfelder, wilder Bergflüsse und schroffer Bergspitzen. Je nord-östlicher wir kommen, desto vegetationsreicher wird es. Wir sehen sogar kleine ‚Nadelwälder‘ aus Zedern, Wacholder und Aleppo-Kiefern.

Am 1. Dezember 2018 erreichen wir dann endlich Ouzoud und gönnen uns mal wieder eine Übernachtung auf dem Campingplatz (‚Camping Zebra’). Nach langer Zeit treffen wir wieder auf deutsche Urlauber in Wohnwägen oder Unimogs. Vermisst haben wir sie eigentlich nicht besonders. Ebensowenig vermisst haben wir die vielen marokkanischen, europäischen und sonstigen Touristen, die wir am nächsten Tag bei den Ouzoud-Fällen treffen. Anscheinend sind wir schon etwas menschenscheu geworden auf unserer Reise. Die Wasserfälle sind dafür besonders spektakulär. Über mehrere Ebenen aus rotem Fels stürzt sich ein lebensmüder Fluss (der Qued Ouzoud) insgesamt 110 Meter in die Tiefe. Die Ufer der Wasserfälle sind mit Feigenbäumen, Olivenbäumen und urwaldähnlichen Lianen bewachsen. Auf einem etwas matschigen Fußweg kann man von der Oberkante der Wasserfälle nach unten gelangen. Für diesen Fußmarsch benötigen wir etwa zwei Stunden, Fotopausen inbegriffen. Wären da nicht die Touristenmassen und die dazu gehörigen unzähligen, leicht aufdringlichen bzw. lästigen Souvernir-Verkäufer, könnte man die Wasserfälle tatsächlich zu einem ‚Traumziel’ dazu zählen … wie geschaffen für eine Tolkien-Verfilmung. Besonders romantisch zeigt sich noch der Regenbogen über den Cascades, den wir auf dem Rückweg einfangen können.

Am nächsten Tag geht es weiter nach Marrakesch. Von dort geht ja unser Flug nach Nürnberg. Der Plan ist, dort eine Woche Weihnachtsduft zu schnuppern sowie ein paar wichtige Sachen zu erledigen. Einen Vorgeschmack auf Weihnachten bekommen wir bereits auf den Straßen vor Marrakesch, welche mit einer Art Weihnachtsbeleuchtung geschmückt sind. Auch das ‚Marjanne’ in Marrakesch hat offensichtlich die Absicht uns in Weihnachtsstimmung zu bringen: In den Regalen dort gibt es Adventskalender, Schoko-Weihnachtsmänner, Nikolauskostüme, etc. etc. – und das in einem muslimischen Land! Irgendwie verrückt! In Weihnachtsstimmung kommen wir aber noch lange nicht, denn es geht erst einmal zum ‚Souk‘ in der Medina von Marrakesch, auf dem Djemaa el Fna (zentraler Marktplatz), dem größten Basar in ganz Marokko, wenn nicht in ganz Afrika. Der Gedanke an an das wilde Treiben dort macht uns etwas Angst. Doch einmal im Leben sollte man Marrakesch gesehen haben, so heißt es doch. Wir beschließen deshalb, unser Unbehagen ins Gegenteil zu verkehren und stürzen uns voll hinein ins ‚Gewusel‘, machen wirklich jeden Quatsch mit, den wir von den ‚Tourie-Fängern’ angeboten bekommen: Wir machen Äffchen-Fotos, lassen uns mit Schlangen fotografieren, trinken überteuerte ‚Smoothies‘, sehen uns die unendliche Auswahl an Teppichen, Teekannen, Lampen, Tücher, etc. an, trinken überteuerten Pfefferminztee in einem Cafe und kaufen ein paar Naschereien und Souvenirs ein. Nach ein paar Stunden haben wir dann aber genug von dem Trubel. Eine nervenaufreibende Fahrt aus der Stadt heraus steht uns noch bevor. Hier in Marrakesch gibt es anscheinend keine verbindlichen Verkehrsregeln, sondern hier fährt jeder, wie er will: Es wird gehupt und sich hinein gedrängelt oder der Weg wird einem abgeschnitten. Rücksichtnahme und vorausschauendes Fahren sind hier nicht zu erwarten, denn es gilt das ‚Gesetz des Stärkeren’: Wer den größten Mut hat oder wer das dickste und stabilste Auto fährt sowie die höchste Aggressivität an den Tag legt, der hat gewonnen. Zum Glück schaffen wir es unfallfrei bis zu unserem Campingplatz (‚Le Relais de Marrakech’). Unser Abflug nach Nürnberg am nächsten Tag klappt samt bürokratischer Vorgänge problemlos. Die Morla muss am Flughafen eine Woche auf uns warten. Ciao Marokko! Ciao Morla! Bis in einer Woche!

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