Marokko Teil 14

Marrakesch (Klappe die 2te), Mirleft, Tantan, Tarfaya

Nach einer angenehmen aber kalten Woche in Nürnberg geht es endlich weiter mit unserer ‚kleinen Weltreise’. Wir verbringen zunächst ein paar Tage auf dem Campingplatz in Marrakesch (‚Le Relais de Marrakech’) und erledigen ein paar Sachen: Wäsche waschen, Telefonkarten aufladen, Einkäufe, Malariaprophylaxe besorgen und den abgefallenen Auspuff der Morla vom Mechaniker richten lassen. Auf dem Campingplatz fühlen wir uns wohl. Es ist wenig los und wir haben viel Platz; außerdem gibt es wieder diverse ‚Campingplatz-Haustiere‘, die uns den Tag versüßen. Jeden Tag kommt entweder ein Huhn oder ein Pfau oder ein Kätzchen vorbei. Es ist ein bisschen so wie ‚Urlaub auf dem Bauernhof‘, nur mitten in Marrakesch.

Am 16. Dezember brechen wir dann auf in Richtung Süden. Unser erstes Ziel ist Mirleft, ein kleiner Ort an der Atlantikküste in der Provinz Sidi Ifni. Mirleft soll früher einmal ein ‚Hippie’- und ‚Aussteiger’-Ziel gewesen sein. Heute findet man einen unaufgeregten, nahezu tiefenentspannten Ferienort mit wunderschönen Stränden vor. Wir suchen uns einen abgelegenen Stellplatz an einer Klippe mit tollem Panorama. Leider ist das Wetter kühler geworden und das Wasser eiskalt, so dass man nicht baden kann. Wir verbringen trotzdem ein paar sehr schöne und entspannte Tage mit Frühsport, Spazieren gehen, Relaxen und dem Genießen der wunderschönen Natur.

Anschließend geht es weiter nach Tan Tan Plage, einem ebenfalls verschlafenen Ort, wo Hunde auf den Straßen liegen und Zigenherden die Mülleimer plündern. Wir übernachten am Campingplatz ‚Sable d‘ Or’, der sehr nett gelegen ist, ca. 50 Meter vom Meer entfernt an einem endlosen Sandstrand. Außer ein paar Dauercampern auf der von unserem Stellplatz gegenüberliegenden Seite wimmelt es nicht gerade von Touristen. Um so mehr springen uns unsere direkten ‚Nachbarn’ ins Auge, die mit einem ähnlichen Van unterwegs sind wie wir. Die Besitzer (Jo und David aus Hamburg) sind so nett, dass wir gleich ein paar Tage miteinander verbringen, vor allem weil sie zunächst die gleiche Route abfahren wollen wie wir.

Nach ein paar weiteren relaxten Tagen machen wir uns auf den Weg Richtung Tarfaya. Wir fahren entlang der Küste auf der N1 Richtung Süden und sind äußerst erstaunt: Während der gesamten Fahrt bis Tarfaya gibt es Nebel! Das haben wir hier in der Wüstenlandschaft irgendwie nicht erwartet. Wie wir später erfahren, ist Nebel in der Region hier häufig: Tarfaya weist durchschnittlich 24 Nebeltage pro Jahr auf und Dakhla 33 Tage pro Jahr. Der Einfluss des Ozeans lässt sich hier anscheinend durch die relative Feuchtigkeit der Atmosphäre in Form von Nebel oder Dünste übersetzen. Die Atmosphäre während unserer Fahrt ist irgendwie ‚spooky’: Der Nebel legt sich über den Sand der Wüste und hüllt die Landschaft in diffuses Licht. Wir fragen uns, wann die Zombies hinter den Dünen wohl hervor springen werden? Wir fahren am Khenifiss Nationalpark (dem größten marokkanischen Feuchtgebiet in einer Wüstenregion) vorbei und machen in der Nähe einer Lagune eine Fotopause. Endlich bekommen wir ein paar schöne Flamingos vor die Linse. Eine Stechmückenattacke folgt auf dem Fuße. Es geht nebelig weiter vorbei an Salzminen und endlosen Sanddünen.

Abends erreichen wir dann das Fischeieistädtchen Tarfaya. Es liegt am Dünendelta an der Chebeika-Mündung ca. 120 km östlich der Kanarischen Inseln und umfasst 4500 Einwohner. Hier soll der Pilot und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry in den späten 1920er Jahren wiederholt als Postkurierflieger stationiert gewesen sein und viele Inspirationen für sein Werk ‚der kleine Prinz‘ empfangen haben. Zu Ehren von Saint-Exupéry ist sogar ein Denkmal errichtet worden: Ein aus Rohren zusammengeschweißtes Metallflugzeug am Strand, gegenüber der Kaserne. Auch ein Saint-Exupéry-Museum entdecken wir gleich in der Nähe. Leider hat es geschlossen, sonst hätte uns die Neugier durchaus hinein gelockt.

Wir machen einen Spaziergang am Strand und entdecken die wellenumbraust im Meer vor dem Strand befindliche ‚Casa Mar’, eine 200 Jahre alte Festung, die als Handelslager gedient haben soll. Die Ruine im Meer sieht schaurig-schön aus, genau nach unserem (besonders Mägdis) Geschmack, wie geschaffen als Kulisse für einen Vampir- oder Gruselfilm. Unser Stellplatz für die Nacht ist nicht gerade schön: Am Ende einer Straße befinden sich gewöhnliche Parkplätze, die als ‚Camping Stellplätze‘ ausgewiesen sind. Der Grund und Sinn dafür erschließt sich uns nicht wirklich. Ein paar Jugendliche kommen vorbei, um etwas Bier abzustauben. Zum Dank bekommen wir bzw. David und Jo aus Hamburg, die neben uns campen, zwei dicke und fette, frisch gefangene Doraden geschenkt. Dies nehmen wir als Anlass, nach langer Zeit wieder einmal unseren Grill auszupacken und zusammen mit unseren neuen Bekannten ein Staßendinner in typischer Berliner Manier zu veranstalten: Mitten auf dem Parkplatz, direkt neben der Straße packen wir unseren Campingtisch aus, grillen den Fisch, drehen die Musik auf und machen es uns bei ein paar kühlen Bierchen und netter Konversation bis spät in die Nacht gemütlich. Ab und zu kommen Polizisten oder Mitarbeiter des Militärs vorbei und wollen unsere Papiere sehen. Anlässlich des Mordes an den zwei skandinavischen Touristinnen im Atlasgebirge vor Kurzem erhalten wir außerdem ungefragt Polizeischutz: Zwei Mitarbeiter des Militärs stellen sich auf den Parkplatz gegenüber von uns (ca. 10 Meter entfernt) und bewachen uns die ganze Nacht. Mägdi nimmt diesen als ‚zuvorkommend’ empfundenen Service gerne entgegen und fühlt behütet und sicher … bzw. fast so wie ein ‚Promi‘, denn wann bekommt man im Leben schon Polizeischutz? Toni fühlt sich eher genervt und belästigt.

Am nächsten Tag wollen wir uns das Schiffswrack ‚Assalama‘ ansehen: Anfang 2008 wurde eine Fährverbindung zwischen Tarfaya und Puerto del Rosario (Fuerteventura) aufgenommen. Die Autofähre ‚Assalama’ der Reederei ‚Naviera Armas‘ verkehrte wohl drei Mal wöchentlich und verunglückte am 30. April 2008, als sie bei einem missglückten Manöver im Hafen leck schlug und später im flachen Wasser vor Tarfaya strandete, wo sie bis heute liegt. Eigentlich sollte das Schiff wohl zur Reparatur in den Hafen von ‚Las Palmas de Grand Canaria‘ geschleppt werden, doch es fehlen anscheinend die Gelder dazu. Und so rostet das Schiff vor sich hin und bietet eine schaurig-schöne Kulisse und ein wunderschönes Panorama für unseren Übernachtungs- und Stellplatz, an dem wir weitere zwei Tage verweilen. Wir stehen wieder neben Jo und David aus Hamburg; ein paar Fischer und eine Gruppe Surfer leisten uns auch gelegentlich Gesellschaft. Die Surfer reiten Wellen direkt vor dem Schiffswrack – ach könnte man nur Wellenreiten; es muss toll sein, da draußen neben der ‚Assalama‘ über das Meer zu schweben. Da wir tagsüber beobachtet haben, wie ein paar Fischer kiloweise Octopus erbeutet haben, bekommen wir die spontane Idee, ihnen ein paar abzukaufen. Doch wie nimmt man frisch gefangenen Octopus überhaupt aus und bereitet ihn zu? Wir haben so unsere Schwierigkeiten damit. Details wollen wir an der Stelle unseren werten Lesern ersparen, nur so viel sei gesagt: Es war gruselig, glibberig und etwas Angst einflößend. Doch das Ergebnis lässt sich sehen bzw. schmecken. Tintenfischsalat mit Kartoffeln und Zwiebeln gibt es heute bei uns zu Abendbrot, welches wir (mehr oder weniger) genüsslich mit unseren Nachbarn Jo und David vertilgen. Was für eine tolle Kulisse für ein Dinner: Tausende von Sterne leuchten hell am Himmel und lassen die Wellen funkeln; der Mond beleuchtet das Schiffswrack im Hintergrund; dazwischen leuchtet die Morlan rosa-rot (dank der netten Flamimgo-Lichterkette, die wir neulich beim Kramen in den Schubkästen wiederentdeckt haben); dazu hört man den Wind pfeifen und das Meer rauschen … irgendwie gespenstisch-mystisch und wunderschön.

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