Marokko Teil 4

Moga Festival, Essaouira & Sidi Kaouki

Nach unserer Mechaniker-Odyssee geht es nun weiter an der Atlantikküste entlang südabwärts. Nach einer Übernachtung in El Jadida besichtigen wir Safi. Die sog. ‚Töpferstadt‘ hat 355000 Einwohner und ist wegen ihres Töpferviertels und der gut erhaltenen Medina interessant. Man kann hier beim Töpfern und Brennen der Waren in kugelförmigen Brennöfen zuschauen und Töpferwaren in großer Auswahl kaufen. Besonders angetan sind wir von den Streunerkatzen, die ihre Katzenbabys gleich auf dem Marktplatz säugen. In Marokko ist es wohl nicht üblich, Katzen als Haustiere zu halten. Die Straßenkatzen werden aber von vielen Marokkanern gefüttert, wenn sie zu ihnen kommen. Das ist wohl auch der Grund dafür, warum sie so zahm und verschmust sind … und sogar die Kamera nicht scheuen.

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Die nächste Station unserer Reise ist die Stadt Essaouira. Die erstmals portugiesische Stadt, einst ein Fischereistandort, zählt inzwischen 101000 Einwohner, wobei die touristische Entwicklung in rasantem Tempo verläuft. Dort angekommen steht zunächst die Erkundung der Altstadt auf dem Plan. Immerhin soll die Medina seit 2001 zum UNESCO- Weltkulturerbe zählen. Der Altstadtbummel ist zum Teil anstrengend, weil man alle paar Meter angesprochen wird, zum Teil sehr unteressant. Es gibt viele Restaurants und Cafes, Galerien lokaler Künstler, unzählige Händler, die Holz- und Metallarbeiten, bunte Lampen, Gewürze, ‚Heilkräuter’, Tees, Trockenfrüchte, etc. etc. verkaufen. Hungrig von der Latscherei kehren wir erst einmal in ein Restaurant ein. Es gibt natürlich Tajine. Leider ist es nicht so würzig wie erwartet und außerdem überteuert. Aber so ist es nun einmal in den ‚Tourie-Hochburgen‘ hier.

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Der eigentliche Grund, warum wir so zügig nach Essaouira gedüst sind, ist das vom 12.-14. Oktober hier stattfindende ‚Moga Festival’. Wie sind wir darauf gekommen? Eine unserer Vorstellungen für die Weltreise ist ja, all das zu tun, was wir gerne tun, aber wozu wir in unserem Alltagsleben keine oder wenig Zeit haben. Dazu zählt auch der Besuch von Festivals mit elektronischer Musik. Was wir bei der Planung leider übersehen haben, ist die Tatsache, dass ab Anfang September die Festivalzeit in den Ländern, die wir als Reiseziele auserwählt haben, so ziemlich vorbei ist. Nach der Abfuhr seitens der Veranstalter von ‚Sa Terza Metari‘ (Sardinien) musste also dringend eine Alternative her. Und so sind wir beim Recherchieren danach auf ‚Moga’ gestoßen … Klingt einerseits lustig und andererseits schien das Lineup durchaus überzeugend:  Acid Pauli, Audiofly, Jan Blomqvist, John Acquaviva u.s.w.  Also, Tickets gekauft und los geht’s. Dort angekommen erleben wir dann aber leider erst einmal einen Schock: Wir sind mitten im Treffpunkt der marokkanischen Schickeria mit ‚Stripbar-Dresscode’ gelandet! Die Frauen sind gekleidet wie die ‚Bitches‘ aus einem ‚2Pac‘- Musikvideo, die Typen sehen aus wie die ‚Chippendales’ … Oder sind sie es in persona? Überall stehen in Anzügen gekleidete Security-Männer herum, was auch immer deren Funktion und Aufgabe sein mag. Und dann der nächste Schock: Um ein alkoholisches Getränk käuflich zu erwerben, muss man sich sog. ‚Getränkemarken‘ an einer meterlangen Schlange besorgen … Das günstigste Getränk, ein Bier, kostet 5 Euro. Wein gibt es nur als Flasche zu kaufen für 40 Euro. Alle anderen Getränkepreise liegen weit darüber. Eigene Getränke können sowieso nicht mit auf das Festivalgelände genommen werden. Und das, obwohl wir kurz zuvor endlich einen Supermarkt gefunden hatten, indem wir uns mit Alkohol eindecken konnten. Das Beste dann: Nach ein paar Stunden ist das einzig erschwingliche Getränk (Bier) ausverkauft! Nun gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder sofort die Flucht ergreifen und nach Hause gehen …. oder irgendwie versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Wir entscheiden uns für Zweiteres. Immerhin: Die Musik ist durchgehend super, also ab auf die Tanzfläche. Am zweiten Abend lernen wir dann auch ein paar ‚coole’ und ‚alternative’ Leute kennen: Matheo, der –  wie wir –  mit seinem Van unterwegs ist und mit dem wir gleich etwas lästern können, Jamail, der auch durch Marokko reist und schließlich eine Gruppe lustige Belgier. An der Seite von ‚Gleichgesinnten’ können wir gut die negative  Seiten des Festivals ausblenden und uns dem Tanzen und der tollen Musik hingeben … Der Tanzflash hält bis in die frühen Morgenstunden und irgendwann sind wir dann wirkich k.o.

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Nachdem wir uns ausgiebig vom Feiern erholt haben, sehnen wir uns wieder nach Natur und Abgeschiedenheit. Zu diesem Zweck (und um endlich mal wieder Wäsche zu waschen) peilen wir den Campingplatz in Sidi Kaouki an, ca. 20 km südlich von Essouira, der sogar einen Pool hat. Wir verbringen dort mehrere Tage ganz entspannt mit Baden, Spazieren am Strand, Chillen im und vor dem Bus … Außerdem haben wir fast jeden Tag ‚Gäste‘, die betreut werden wollen: Streunende und hungrige Kätzchen, die gekrault und gefüttert werden wollen … und Schildkröte ‚Morli 3‘, die Anschluss sucht …

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