Marokko Teil 6

Über den Antiatlas Richtung Wüste

Unser nächstes Ziel ist es, pünktich zum ‚Taragalte Festival’, welches vom 26. bis 28. Oktober in M’Hamid stattfindet, zu gelangen. Dafür haben wir noch knapp 6 Tage Zeit. Genug, um die schöne Landschaft auf dem Weg dorthin noch genießen zu können. Es geht teilweise durch den Antiatlas. Dieser unterscheidet sich landschaftlich und kulturell von anderen Regionen Marokkos. Warme Erdfarben von Rosa bis Braun und Ocker, afrikanisch anmutende Wüstenberge und formschöne Granitfelsen prägen die Region. Die Berggipfel des Antiatlas erreichen Maximalhöhen von über 2500 Meter. Einige Berge sind um die 2300 Meter hoch gegenüber einer Durchschnittshöhe von etwa 1000 bis 1200 Metern. 

Beim ‚Wikipediaen‘ erfahren wir, dass der Antiatlas von sog. ‚Schlöh-Berbern’ bewohnt werden soll, deren Muttersprache ‚Taschelhit’ ist, eine Berbersprache, die seit 2003 an den staatlichen Schulen Marokkos unterrichtet wird. Viele Berber treffen wir auf unserer Fahrt allerdings nicht … wir treffen eigentlich kaum irgendwelche Menschen. Auf halber Strecke zwischen Agadir und Zagora, ca. 140 km hinter Taroudant finden wir ganz zufällig einen absoluten ‚Traum-Übernachtungsplatz. Er liegt an einer kurvigen Nebenstraße auf einem steinigen Hügel, inmitten einer Art surrealen Mondlandschaft auf knapp 1900 Meter Höhe, mit einem tollen Gebirgspanorama. Es ist herrlich, diese Stille zu genießen. Man hört nur den Wind sowie ein paar Schwalben kreischen und sonst … absolut nichts! Da wir uns so wohl fühlen, verbringen wir gleich zwei Tage in dieser totalen Stille. Ein besonderes Erlebnis bietet sich an einem morgen durch den Blick auf ein Nebelmeer über den Hügelspitzen. Bei einer Wanderung durch die ‚Mondlandschaft’ entdecken wir auch kleine Felseinbuchtungen, die wie Höhlen aus der Steinzeit wirken. Wer hier wohl gewohnt hat? Außer einem Ziegenhirten mitsamt seiner Herde begegnen wir hier zwei Tage lang absolut niemandem. Der Hirte möchte anscheinend ein nettes Gespräch mit uns anfangen, wir eigentlich auch, aber da wir kein arabisch verstehen und er kein französich, bleibt das Gespräch sehr rudimentär … Trotzdem fühlen wir uns wohl neben unserem neuen Nachbarn. 

Auch der nächste Übernachtungsplatz – knapp 100 Kilometer weiter westlich im Antiatlas – entspricht sehr unseren Vorstellungen: Wieder sind wir ganz für uns (nur ein paar neugierige Bewohner aus dem Nachbardorf kommen ab und zu vorbei, um guten Tag zu sagen) mitten im Nirgendwo, am Fuße eines Hügels, den wir sogleich hinauf wandern. Es geht ca. 300 Meter in die Höhe. Das Highlight ist dann die wunderschöne Aussicht über die bergige ‚Mondlandschaft’ des Antiatlas. Diese kommt übrigens dadurch zustande, dass der Hohe Atlas nur wenige Regenwolken nach Süden ziehen lässt und sich die Vegetation so auf ein paar ‚genügsame Graspolster’ beschränkt. Wir sind froh und dankbar, ein solches Naturerlebnis mit allen Sinnen erleben zu können bzw. dürfen – und das an einem ganz spontan und zufällig entdeckten Ort. 

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