Marokko Teil 7

Taragalte Festival am Rande der Sahara und Sandsturm

Bevor es zum Taragalte Festival (26.-28.10., M’Hamid) geht, machen wir einen Stop in Zagora. Da auf mehreren Foren die dort ansässige Werkstatt ‚Ali Nassir’ hoch gelobt wurde, wollen wir unser Glück ebenda aufs Neue versuchen und dem mysteriösen ‚nagelnden’ Motorgeräusch auf den Grund gehen. Nachdem wir ein bis zwei Stunden damit verbracht haben, auf den Mechaniker zu warten, wird kurz in die Motorhaube hinein geschaut und eine gemeinsame ‚Probefahrt’ durchgeführt. Ergebnis: ‚Kein Nageln zu hören.‘ Wir sollen ein ander Mal wieder kommen, am besten nach dem Festival. So weit, so schlecht. Unverrichteter Dinge ziehen wir also weiter nach M’Hamid.

Die 7500 Einwohner umfassende, quirlige Oasenstadt liegt ca. 24 km vor der algerischen Grenze. Die ursprünglichen Lehmnauten sind ziemlich verfallen, daneben sieht man (Reihen-) Häuser in der typischen marokkanischen Bauweise mit Wänden aus Hohlblockstein, Decken aus Beton und hellrotem oder ockerfarbenem Anstrich. Wir steuern den Campingplatz ‚La Boussole du Sahara’ am Rande der Wüste an. Die Lage ist wundervoll, mitten im Nichts, umgeben nur von Sand.

Zum Auftakt des Taragalte Festivals kommen wir – nach einer anstrengenden Fahrradtour durch teilweise von Sand verwehte Straßen – pünktlich um 19h an. Das Festival steht unter dem Motto ‚nomadic heritage and world music’ und hat uns vor allem wegen der Location angesprochen bzw. weil wir ‚Tinariwen’ (Tuareg-Rock aus Mali) und ‚Habib Koité’ (‚Desert-Rock’, ebenfalls aus Mali) hören bzw. sehen wollten. Die Örtlichkeit der Veranstaltung ist wirklich der Wahnsinn! Mitten im Meer aus Sanddünen! Zwischen Bergen aus Sand sind eine Bühne und diverse Versorgungsstände aufgebaut; sowohl europäische Touristen als auch Marokkaner tummeln sich im Sand, meist barfuß, denn was gibt es Herrlicheres als barfuß im Sand zu sitzen, zu gehen und zu tanzen? Zu unserer freudigen Überraschung treffen ein nettes älteres Päärchen wieder, dessen Bekanntschaft wir schon am Campingplatz in Essaouira gemacht hatten: Michelle und Marcel aus Marseille … was in der Tat sehr poetisch klingt. Dieselben Menschen auf der Reise an anderen Orten zufällig wieder zu treffen beschert uns ein wohliges Gefühl von ‚Heimeligkeit’. Das musikalische Programm hat sich heute dem ‚desert blues’ verschrieben und wir entdecken neue Bands wie ‚Ajial Mhamid’, ‚Daraa Tribes’ und ‚Generation Taragalte’. Später am Abend fängt es an, stürmisch zu werden. Und stürmisch bedeutet in der Wüste: Sandsturm! Der Sand weht einem in die Augen, in die Nase und in alle Öffnungen, die man sich nur vorstellen kann. Selbst eine Ganzkörperverhüllung hilft nur bedingt (siehe Foto unten ‚das Phantom’). Als es dann auch noch anfängt zu regnen, reicht es uns uns wir brechen auf. Nach einer Radtour durch Sandsturm und Regen kommen wir erschöpft, aber glücklich ‚zu Hause’ an.

In den darauffolgenden Tagen haben wir leider großes Pech, denn der Sandsturm weht ununterbrochen und heftig weiter. Sobald wir aus dem Bus aussteigen, werden wir von unzähligen Sandkörnern mit einer Windgeschwindigkeit von ca. 50-60 km/h bombadiert. Der Sand peitscht uns ins Gesicht, was sehr schmerzhaft ist; einzelne Sandkörner bleiben hinter den Augenlidern stecken … es ist einfach extrem unangenehm. Also ‚vergraben‘ wir uns in die Morla, aus der heraus wir dieses ‚Naturspektakel’ aus sicherer Entfernung ‚bewundern’ können. Später erfahren wir, dass das Festival während des Sandsturms zum Teil auf kleinere Bars umverlagert wurde, zum großen Teil jedoch abgeblasen wurde. C‘ est la vie. Nachdem der Sandsturm überstanden ist heißt es: Fegen, fegen, fegen. Der Sand hat sich überall am und im Bus eingegraben … sogar an Stellen, die selbst wir noch nicht kannten.

Es folgt eine abschließende Wanderung durch die Dünen. Wunderschön … die Weite, die wundervoll gold-gelbe Färbung der Sandhügel sowie das angenehm kitzelnde Gefühl an den Fußsohlen.

Am nächsten Tag geht es weiter mit unserer ‚Werkstatt-Odyssee‘: In Zagora stellen wir uns nochmals beim oben erwähnten Mechaniker vor. Ergebnis: Wir sollen weiter nach Ouarzazate, da es dort angeblich eine Werkstatt gäbe, in der angeblich die Einspritzdüsen nochmals neu eingestellt werden müssten. Schon wieder? Mit einer Mischung aus Unbehagen, Zweifeln und dem Gefühl, ‚zum Narren gehalten zu werden’ machen wir uns auf nach Ouarzazate.