Marokko Teil 8

Draa-Tal, Cascade de Tizgui und Ouarzazate

Der Weg von Zagora nach Ouarzazate führt zunächst durch das sog. ‚Draa-Tal‘. Der hindurch fließende ‚Wadi Draa‘ ist der längste Fluss Marokkos (ca. 1100 km Länge), welcher aus dem Stausee ‚El Mansour Eddahbi‘ bei Ouarzazate entspringt und bei Tan Tan in den Atlantik mündet. Theoretisch zumindest, denn als Fluss ist er nur bis Zagora erkennbar, dahinter trocknet er die meiste Zeit des Jahres aus. Das ‚Draa-Tal’ entlang des Flusses ist ca. 200 km lang und zeigt sich als grünes und fruchtbares Band mit großen Palmenplantagen, was in deutlichem Kontrast zu der umgebenden, wüstenartig anmutenden Landschaft steht.

Die weitere Fahrt auf der N9 führt auch durch den Antiatlas (siehe ‚Marokko Teil 6‘). Am späten Abend suchen wir per ‚Google Maps‘ dort einen geeigneten Schlafplatz am Ende einer abgelegenen Schotterstraße. Es ist zappenduster und wir erkennen zunächst nicht, wo wir ‚gelandet‘ sind. Erst am nächsten Morgen wartet eine schöne ‚Überraschung‘ auf uns: Wir befinden uns an einem wunderschönen Fleckchen Erde auf ca. 1200 Meter Höhe mit einer gigantischen Aussicht, umzingelt von kargen, steinigen Bergen und Hügeln in allen möglichen Brauntönen. Durch einen weiteren Zufall finden wir dann heraus – ‚Google’ und die überraschend gute Internetverbindung hier in Marokko macht’s möglich – dass es in der Nähe eine Wasserfall namens ‚Cascade de Tizgui‘ geben soll. Ein Wasserfall in dieser kargen Umgebung? Etwas skeptisch steuern wir die angegebenen Koordinaten an und finden zu unserem Erstaunen einen pittoresken, tief in eine Schlucht versenkten Wasserfall inmitten einer kleinen, grünen Oase vor. In einem kleinen Hüttchen, direkt neben dem ‚Cascade de Tizgui’ scheint auch noch jemand zu wohnen. Wie sich herausstellt, handelt es sich um ‚Omar‘, der uns gleich anspricht und uns zu einem Gläschen pappsüßen Pfefferminztee (hier anscheinend ‚Berber Whiskey’ genannt) einlädt. Er beherbergt auch ein paar spanische Touristen, die bei der Pflege der Grünanlagen behilflich sind. Wir erfahren, dass Omar stolzer Vater von 10 Kinder ist und die Hälfte des Jahres hier am Wasserfall verbringt, weil er die Ruhe liebt – was in der Tat etwas paradox klingt. Nach einem netten Plausch mit ihm und den leicht bekifften spanischen Touristen ziehen wir weiter …

Unser nächstes Ziel, Ouarzazate, liegt auf einer Höhe von ca. 1150 Metern über dem Meeresspiegel zwischen dem Hohen Atlas und dem Antiatlas, an der Kreuzung zwischen dem ‚Draa-Tal’ und dem ‚Dades Tal’. Von hier hat man eine tolle Sicht auf die Berge beider Bergketten. Bei guter Sicht sieht man sogar die mit Schnee bedeckte Spitze des ‚Jebel Toubkal’ (höchster Berg Marokkos im Hohen Atlas, 4167 Meter). In Ouarzazate angekommen steuern wir zunächst den Campingplatz ‚Ecolodge la Palmeraie’ aus. Wir fühlen uns dort recht wohl – der Betreiber ist freundlich und spricht fließend italienisch, außerdem gibt es viele zutrauliche ‚Campingplatz-Haustiere‘ die uns mehrmals am Tag einen Besuch abstatten. Da wären zum einen ein paar Pfaue, die sich als stets hungrig herausstellen und die lila Färbung der Morla anscheinend interessant finden (‚bunt zu bunt’). Zum anderen wären da zwei entzückende und sehr verspielte Katzen-Babys (ebenfalls stets hungrig). Dazu kommen ein paar Hühner, sich aufplusternde Truthähne, Schafe und mehrere Hunde, die sich allesamt eher im Hintergrund halten, aber dennoch ihren Teil zu unserem Amüsement beitragen.

Dem eigentlichen Ziel unserer Reise nach Ouarzazate entsprechend verbringen wir die meiste Zeit damit, diverse Mechaniker wegen des immernoch vorhandenen ‚nagelnden’ Motorgeräusches zu konsultieren. Oder besser gesagt, uns mit ihnen herum zu ärgern. Beziehungsweise auf sie zu warten. Oder damit, in der entsprechenden Werkstatt herum zu stehen. Endergebnis: Die Einspritzdüsen werden erneut ausgetauscht und justiert, was aber nach unserem Gefühl zu keiner Verbesserung führt. Langsam wissen wir nicht mehr, ob wir spinnen, oder die Mechaniker. Gefragt nach dem Zustand unseres Motors sagen alle stets: ‚Motor gut, alles in Ordnung‘. Aber warum nagelt ein angeblich gut funktionierender Motor dann weiter? Da wir nun schon einmal hier sind, lassen wir noch einige Wartungsarbeiten erledigen (‚Abschmieren’, Reinigung des Luftfilters, Ölwechsel). Wenigstens dies hat funktioniert und ist auch noch preisgünstig.

Da Mägdie definitiv nicht mehr mit ihrem verunstalteten Haarschnitt herum laufen möchte, bekommen wir die Idee, einen in einem 5 Sterne Hotel integrierten Frisörsalon in Anspruch zu nehmen. Der Pony wird dort endlich nachgebessert, die Spitzen schön geschnitten und die Haarpracht wird soar noch geglättet und geföhnt … alles zusammen für 30 Euro. Diese ‚Investition’ hat sich für Mägdi auf jeden Fall gelohnt, denn sie fühlt sich nun wieder wie ein ‚zivilisierter Mensch‘ – auch wenn man gegen die vom ‚Friseur‘ in Imsouane gestaltete ‚Topffrisur‘ nicht mehr viel machen konnte.

Als schöne Abwechslung besuchen wir noch die ‚Atlas Corporation Filmstudios‘ in Ouarzazate. Hier wurden viele bekannte Filme gedreht wie ‚Babel ’, ‚Gladiator’, ‚der Medicus’, ‚Asterix & Obelix’, ‚Game of Thrones‘ u.s.w. Wir schlendern über das Gelände und entdecken z.B. das tibetische Mönchskloster aus ‚Kundun’, sehen Nachbildungen des ‚antiken Ägypten‘ (aus ‚Asterix und Obelix’), erkennen aus der Entfernung eine Festung, die für ‚Game of Thrones’ errichtet worden ist. Alle Gebäude und Statuen sind hier konsequent aus Styropor oder anderen Leichtmaterialien gebaut worden. Erstaunlich, wie leicht man uns Zuschauer hinters Licht führen kann. Wir nehmen uns vor, in nächster Zeit sämtliche Filme, die hier gedreht worden sind, nochmals anzuschauen und bewusst darauf zu achten, ob wir die heute entdeckten Statuen, Dekoelemente und Kulissen wieder erkennen können.

Außerdem besuchen wir noch die ‚Kasbah Taourirt‘ am östlichen Stadtrand von Ouarzazate. Anscheinend war diese Festungsanlage früher die Residenz des Paschas. Dieser muss von wirklich kleiner Statur gewesen sein, denn bei der Besichtigung muss sogar Mägdie (Körpergröße: 1,64 m) die meiste Zeit über den Kopf einziehen … von Toni gar nicht zu sprechen. Mit ihren verschachtelten, ockerfarbenen bis rötlichen Stampflehmmauern und zinnenbewehrten Türmen bietet die Kasbah ansonsten einen herrlichen Anblick.

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