Mauretanien Teil 1

Nouadhibou – Nord Mauretanien

Zusammen mit den Österreichern geht es morgens über die Grenze. Es dauert und dauert. Erst wird unser Bus gescannt, dann müssen wir unzählige Male unsere Pässe zeigen. Bevor wir Mauretanien endlich bereisen können, geht es noch über den ‚Todesstreifen‘ im ‚Niemandsland’. Richtig unheimlich sieht es hier aus mit den vielen Autowracks, alten Reifen und verlassenen Gegenständen … fehlen nur noch die Menschenskelette und das Bild wäre perfekt. Daraufhin müssen wir unendlich lange warten, um das Visum beantragen zu können. Hierbei werden Fingerabdrücke genommen und ein Foto gemacht. Wozu das wohl gut sein soll? Über 50 Euro pro Person kostet der Spaß. Dann heißt es nochmals warten wegen der Papiere fürs Auto. Im Anschluss daran müssen wir abermals warten; diesmal wegen der Autoversicherung. Irgendwann – so etwa fünf Stunden später – sind wir dann endlich in Mauretanien.

Es ist drei Mal so groß wie Deutschland und hat eine Bevölkerungsdiche von nur 3,6 Einwohner pro Quadratkilometer (zum Vergleich: Deutschland zählt 232 Einwohner pro Quadratkilometer). Mit Ausnahme der Dornbuschsavannenzone von Nouakchott entlang der Südgrenze aus besteht Mauretanien ausschließlich aus Wüste. Es gäbe viele tolle Sachen zu entdecken z.B. Wüstenkrokodile im Inland, tolle Dünenlandschaften, etc. Doch für uns soll Mauretanien nur ein Durchreiseland bleiben. Erstens haben wir schon wieder Termine (Treffen mit Freunden in Senegal und Gambia). Zweitens ist unsere Morla nicht für die Straßenverhältnisse in Mauretanien geschaffen. Es gibt nur wenige befestigte Straßen; ansonsten müsste man über holprige Pisten, zum Teil mit Sanduntergrund fahren, wozu man mindestens Allradantrieb bräuchte. Und drittens wird Mauretanien laut der Sicherheitshinweise des auswärtigen Amtes als nicht sicheres Reiseland eingestuft – eigentlich schade, da wir (insbesondere Mägdi) große Wüsten-Fans sind und besonders gerne die Wüstenkrokodile im Landesinneren gesehen hätten. Unser erster Stop in Mauretanien ist Nouadhibou, die zweitgrößte Stadt des Landes. Dort stehen wir zwei Tage lang an einem Stellplatz vor der ‚L’ Auberge des Dauphins‘ etwas außerhalb der Stadt an einer Flachwasserlagune. Man kann hier sogar Kiten. Wir stehen erneut neben unseren Bekannten aus Österreich. Die Location gefällt uns gut; wir stehen direkt vor der Lagune und sind so ziemlich die einzigen Gäste. Außerdem gibt es endlich wieder warme Duschen und man kann an der Lagune endlose Spaziergänge machen oder laufen. Da gibt es nur etwas, was die Idylle nicht nur stört, sondern uns (vor allem Mägdi) regelrecht in den Wahnsinn treibt: Die Fliegen! Wir haben uns ja bereits in Sardinien über lästige, uns tyrannisierende Fliegenschwärme und Stechfliegen echauffiert … doch im Vergleich zu dem, was wir hier vorfinden war das absolut harmlos. Hier herrscht quasi Krieg: Fliegen gegen Menschen. Na gut, das ist vielleicht etwas übertrieben. Aber wenn man nur ein paar Sekunden lang die Bustür öffnet, schießen sofort etwa 30 Fliegen in den Bus hinein, schwirren laut und wie wahnsinnig umher, setzen sich ins Gesicht, in die Nase, in die Ohren … oder beißen. Totzukriegen sind sie kaum und verscheuchen lassen sie sich nur schwerlich. Man könnte schier verrückt werden.

Als wir zum Einkaufen in die Stadt Nouadhibou hinein fahren, ist die Fliegenplage sogar noch schlimmer – doch das ist bei dem vielen herumliegenden Müll in der Stadt und den herum liegenden Tierkadavern nicht verwunderlich. Wir kaufen ein paar Sachen ein und machen eine kleine Besichtigungstour zum Schiffsfriedhof von Nouadhibou. Die Schiffe dort befinden sich in verschiedenen Stadien des Zerfalls und sitzen teilweise am Ufer fest oder schwimmen in einigen hundert Metern Entfernung auf dem Meer. Nach und nach werden die Schiffswracks inzwischen zersägt und entsorgt bzw. recyclet, doch das dauert. Wir passieren unterwegs auch die Bahnstrecke Nouadhibou – M’Haoudat, auf der die einzige Eisenbahn Mauretaniens fährt. Sie verbindet die Eisenerzbergwerke bei Zouérat mit der Hafenstadt Nouadhibou am Atlantik. Die Stadt Nouadhibou an sich ist quirlig und etwas hektisch, doch es gibt lustige und interessante Sachen zu sehen. Schafe und Ziegen spazieren überlall herum und wühlen im Müll. Uralte und zerbeulte Autos – wie vom Schrottplatz auferstanden – fahren umher und hupen laut. Lustige Wandbemalungen zieren die hiesigen Läden – vom Friseur bis zum Kosmetiker scheint es hier alles zu geben. Nach unseren bisherigen Reise-Erfahrung wollen wir jene freundlich angebotenen Serviceleistungen jedoch nicht in Anspruch nehmen. Mit einer Ausnahme: Denn bevor wir weiter fahren können, müssen wir … na, kommt ihr drauf? Genau! Wir müssen schon wieder zum Mechaniker. Diesmal weil unser Auspuff erneut am Auseinanderfallen ist. In Nouadhibou wird er zum X-ten Male notdürftig zusammengeschweißt … Wann wir uns wohl endlich einen neuen Auspuff gönnen werden? Übrigens bleibt die Fliegenplage auch während unserer Weiterfahrt Richtung Nouakchott weiterhin bestehen, und das sogar in der vegetationslosen, trockenen Wüste.

Landschaftlich erinnert die Weiterfahrt durch Mauretanien Richtung Nouakchott irgendwie an unsere Fahrt durch die Westsahara: 500 Kilometer lang undendliche Weite, heller Sand und sonst nichts. Außer vielleicht ein paar heruntergekommenen Tankstellen oder Hüttchen am Straßenrand – und natürlich verlassenen Autowracks.