Senegal Teil 2.1

Süd-Senegal – Die Casamance/ Kafountine

Am 8. März 2019 reisen wir zusammen mit Dana und Frank erneut in den Senegal ein. Wir wollen uns die sog. ‚Casamance‘ anschauen – die Landschaft, welche sich entlang des Casamance-Flusses im Süden Senegals zwischen Gambia und Guinea-Bissau erstreckt. Sie soll sich durch einen größeren Wasserreichtum und eine stärkere Vegetation vom Rest Senegals unterscheiden. Im Gegensatz zu dem trockenen Norden soll die Vegetation in der Casamance-Region eher tropisch sein und auch die Menschen, vorwiegend Diola und Mandinga, sollen von einem anderen Schlag sein – wir sind gespannt. Unsere erste Destination ist ‚Kafountine’, ein Fischer-Dorf mit ca. 5000 Einwohnern im Norden der Region Ziguinchor.

In Kafountine sollen sich mehrere Künstler niedergelassen haben – das klingt interessant. Wir steuern auf Empfehlung unserer Overlanding- App das ‚Chez Stef‘ an. Es handelt sich dabei um das Grundstück von Stefanie Rätsch, einer diplomierten Künstlerin aus Kiel, die lange Zeit auch in Berlin gelebt hat. Sie hat auf ihrem Grundstück neben ihrem schönen Haus einen riesigen Garten mit Papayabäumen, Mangobäumen, Moringabäumen, etc. angelegt. Daneben ist noch ein kleiner Bereich, auf dem ca. vier Camper stehen können. Der Stellplatz ist recht gemütlich und wir fühlen uns sehr wohl bei ‚Stef‘.

Wir bestaunen zunächst die vielen tollen neuartigen Pflanzen und Tiere sowie die Kunstwerke von Stef wie den ‚liegenden Elefanten’. Im Garten hören wir dann einen seltsamen, niemals zuvor gehörten Vogelgesang: Er klingt irgendwie ‚schräg‘ bis melancholisch; die ‚Melodie‘ ist wie ‚in Moll gehalten‘. Was ist das für ein Vogel? Niemand kennt ihn bzw. seinen Namen … auch in den nächsten Wochen werden wir ihn noch sehr häufig hören (bzw. sehen) und uns fragen, wie er wohl heißen mag, ohne darauf eine Antwort zu bekommen. Denn wenn man Afrikaner zum Beispiel danach fragt, wie der Name eines Vogels sei, bekommt man meist die Antwort: ‚Bird’. Oder wenn man fragt, was das für ein Geruch in der Luft sei, bekommt man die Antwort: ‚Nature’ – Sehr aufschlußreich, vielen Dank auch! Wir erkunden zunächst einmal die Gegend – die Natur hier ist wirklich sehr vielfältig. Es gibt zum Beispiel den Kapok Baum (wissenschaftlicher Name: ‚Ceiba Pentandra‘), Mägdis neuer Lieblingsbaum. In seiner Jugendzeit ist der Stamm bedeckt mit spitzen, pyramidalen bis kegelförmigen Stacheln, die im Alter immer weniger werden. Im Alter ist der Stamm grau-bräunlich und wird von hohen, breiten Brettwurzeln gestützt. Diese sehen oft sehr beeindruckend aus, wie aus einer anderen Welt. Der Kapokbaum kann bis zu 60 Meter hoch, 3 Meter breit (Stamm) und bis zu 500 Jahre alt werden. Besonders spektakulär sind vor allem seine Früchte: Ca. 25 cm lange, braune, ledrige Kapseln, die sich entlang einer Scheidewand öffnen. Zum Vorschein kommen dann große, rundliche Samen in einem Bett aus weiß-gelblichen, flaumigen Haaren, die der Windausbreitung dienen. Sie sehen irgendwie aus wie puschelige Ohrwärmer oder Plüschbälle, irgendwie total kuschelig. Ein weiterer Baum, den wir ganz toll finden (und dessen Namen wir selbst durch Internetrecherchen herausgefunden haben) ist der sog. ‚Parkia Biglobosa’ aus der Familie der Hülsenfrüchtler. Er erreicht Wuchshöhen von 1 bis 20 Metern. Das Besondere ist, dass die Blüten an lang herabhängenden, runden, ca. 5-8 cm großen Blütenständen zusammenstehen und dadurch ebenfalls aussehen wie Plüschbälle, diesmal aber in Knallrot. Sie werden außerdem von Fledertieren bestäubt. Die Früchte selbst hängen dann an 30 cm langen Hülsen zu mehreren zusammen. Die Fruchtsamen werden hier, wie wir erfahren, fermentiert und als Gewürz (‚Soumbala‘) für Suppen und Saucen genutzt. Wir sichten auch einen kleinen Baum, dessen Früchte wie kleine, 1-2 cm große schwarze ‚Samt-Kügelchen‘ aussehen. Nach langer Internetrecherche finden wir heraus, dass es sich dabei um die sog. ‚Samttamarinde’/‚Dialium-Guineese‘, aus der Familie der Johannisbrotgewächse handelt. Dieser Baum wächst wohl typischerweise in der südlichen Sahel-Zone sowie Westafrika und sollen von den Einheimischen ‚Veludo‘ genannt werden (wobei kein einziger Einheimischer, den wir hier befragt haben, darüber Bescheid wusste). Die Blätter und die Rinde des ‚Dialium Guineese‘ werden wohl auch zu medizinischen Zwecken genutzt. Hier in der Casamance gibt es unzählige Tamarindbäume sowie wunderschöne Blumen und Kletterpflanzen, deren Namen wir aber vorerst nicht in Erfahrung bringen können (s.o.) – vielleicht kaufen wir uns zu Hause einfach ein Pflanzenlexikon und werden da fündig.

Neben unseren ‚Naturerkundungs-Touren’ verbringen wir viel Zeit im ‚Chez Stef‘, wo wir auch nette Koch-Abende bei interessanten Gesprächen gemeinsam mit unserer Gastgeberin Stef und unseren ‚Reise-Buddys‘ Dana und Frank veranstalten. Außerdem relaxen wir natürlich am Strand, der wieder einmal wunderschön ist. Es gibt auch eine nette Strandbar mit W-Lan und Bierausschank – diesmal gibt es ‚Flag‘-Bier aus Marokko. Mägdi kann außerdem hier am unendlich langen Sandstrand ihrem neuen ‚Weltreisehobby‘ ‚Strandjoggen‘ nachgehen. Von Stef erfahren wir bei der Gelegenheit, dass sie hier am Strand für ihren Marathon-Lauf vor ein paar Jahren trainiert hat: So misst die ‚Trainingsstrecke’ bis zum ‚ersten Schiffswrack‘ 6,5 km und bis zum ‚zweiten Schiffswrack‘ 10,5 km – na mal sehen, ob das auch für Mägdi zu schaffen ist? Bis zum ersten Schiffswrack ist es kein Problem – wir machen eines abends außerdem einen gemeinsamen Spaziergang dorthin, um Fotos zu schießen. Aber als Mägdi dann versucht, bis zum ‚zweiten Schiffswrack‘ zu joggen, bekommt sie fast einen Kreislaufkollaps bei der Hitze. Woher die Schiffswracks stammen, kann uns leider niemand sagen. Das ‚erste Wrack‘ ist toll und weckt Kindheitsphantasien à la Enid Blyton … das ‚zweite Schiffswrack‘ ragt nur wenig aus dem Wasser heraus und wirkt dadurch weniger spektakulär.

Den Wochenmarkt in Kafountine besuchen wir natürlich auch. Als ‚Neuentdeckungen’ gibt es diesmal Trockenfisch und Maniok. Übrigens: Das Müll-Problem in Afrika wird uns auch hier wieder einmal bewusst. Es erscheint uns fast pervers, wie ‚Traumstrand‘ und ‚Müllhalde‘ so nahtlos ineinander übergehen können.

Im ‚Chez Stef’ bekommen wir außerdem eine Führung durch Stefs Kunstgalerie. Zur Zeit arbeitet sie an Kunstwerken, die aus Plastikstreifen in selbst geschmiedete Gitter gesteckt werden – richtig originell finden wir; und beinahe hätten wir ihr ein Werk abgekauft. Aber es macht ja keinen Sinn ein 1 qm großes, zerbrechliches Kunstobjekt durch die Weltgeschichte herumzukutschieren, bis wir in mehreren Monaten dann wieder zu Hause sind. Auf jeden Fall genießen die Zeit in Kafountine sehr, vor allem das Beisammensein mit Dana, Frank und Stef.

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