Senegal 2.2

Die Casamance – Elinkine & Cap Skirring

Am 15.03.19 bekommen wir das Gefühl, wir müssten ‚mehr vom Land’ sehen und fahren weiter Richtung Süden. Erste Station soll das Dorf ‚Elinkine’ sein (Übernachtungsort: ‚Campement Villageois d’ Elinkine‘), an einem breiten Seitenarm des Casamance-Flusses gelegen. Wir haben die Hoffnung, von dort aus eine Tour mit einer Piroge buchen zu können, z.B. zur den Diola-Dörfern, die es im Umkreis geben soll oder zur Insel ‚Karabane’, welche während der französischen Kolonialherrschaft ein wichtiger strategischer Stützpunkt für die Eroberung des Hinterlandes flussaufwärts gewesen sein soll.

In Elinkine angekommen informieren wir uns erst einmal, welche Möglichkeiten es bzgl. der Pirogenfahrt gibt und werden gleich schon wieder enttäuscht: Erneut bietet man uns nur ‚Abzock-Preise’ an. Wir informieren uns außerdem bei anderen Touristen, ob sich eine Tour zu den Inseln lohnen würde und bekommen den Eindruck, dass es dort auch nicht viel mehr zu sehen gibt als hier in Elinkine – so entscheiden wir uns, hier zu bleiben. Wir sind etwas frustriert. Warum bekommt man in Senegambia so gut wie nie ein spannendes Angebot zu einen akzeptablen Preis-Leistungs-Verhältnis? Wir bekommen auch so langsam das Gefühl, dass es, mit Ausnahme von tollen Stränden, in Senegambia nicht so wirklich viele ‚Highlights’ zu sehen bzw. entdecken gibt. Wir sehen uns stattdessen das Dorf Elinkine an, in dem wir zum ersten Mal seitdem wir in Westafrika unterwegs sind frei herum laufende Schweine sehen – was dann wohl darauf hindeutet, dass hier ein paar Nicht-Moslems leben. Es ist irgendwie schön, den Schweinen zuzusehen, wie sie einfach frei durch das Dorf herum laufen dürfen, überall herumschnüffeln oder ein Schlammbad nehmen können, ohne in einem engen Schweinestall (wie in den meisten Teilen Europas) eingesperrt zu sein. Überhaupt können sämtliche Haustiere hier in Senegambia frei herumlaufen: Hühner, Gänse, Puten, Ziegen, Schafe, Hunde und Kühe. Letztere hatten wir ja bereits in Gambia bewundert, wie sie selbstständig morgens zum Strand laufen, dort den ganzen Tag in der Sonne ‚abhängen’, abends auf dem Rückweg nach Hause noch etwas grasen und dann selbstständig wieder ihr Heim aufsuchen. Wenn wir als Kuh oder Schwein wiedergeboren werden sollten, dann auf jeden Fall bitte hier. Wir werden hier in Elinkine außerdem zum ersten Mal Zeugen eines wilden Hahnen-Kampfes. Die Hähne plustern sich eindrucksvoll auf und gehen wie gestört aufeinander los. Die ersten Federn fliegen. Der aggressivere Hahn geht immer wieder zum Angriff über, bis der andere am Boden liegt. Zum Glück gibt es am Ende keine toten Gockel, nur einen blamierten ‚Verlierer-Hahn‘ mit ein paar Federn weniger.

Am 17. März geht es dann weiter nach ‚Cap Skirring’ im Süden des Senegal, nahe der Grenze zu Guinea-Bissau. Es soll als internationales Touristikzentrum bekannt sein und vor allem von französischsprachigen Menschen besucht sein. Wir müssen außerdem dringend Gas auffüllen und hegen die Hoffnung, dass wir im touristisch gut erschlossenen Ort fündig werden (denn in Elinkine hat man sich geweigert, uns Gas zu verkaufen). Auf dem Weg dorthin jagt uns die Morla erst einmal einen kleinen Schreck ein: Beim täglichen Checkup entdeckt Toni zufällig einen riesigen Ölfleck auf ihrem Unterboden. Wir denken schon: ‚Das war‘ s mit unserer Reise! Motor-Totalschaden. Aus. Ende. Feierabend!‘ Solche Gedanken hatten wir übrigens schon X Mal auf unserer Reise und es wird auch in nächster Zeit so sein – tja, so ist es nun einmal, wenn man mit einer ‚alten Karre‘ unterwegs ist. Nach ein paar Telefonaten, Tests und Internet-Recherchen verhärtet sich dann jedoch immer mehr die Theorie, dass der Ölfleck aus einer externen Quelle stammen könnte, z.B. einer Ölflasche, die unseren Weg gekreuzt hat. Puh – noch einmal davon gekommen. Die ‚Innenstadt‘ von Cap Skirring erscheint recht quirlig und bunt. Zu unserer Freude entdecken wir ein Restaurant mit ‚Cocktailbar‘ – unter ‚Pina Colada’ verstehen wir allerdings etwas anderes als dünnflüssigen Ananas-Saft mit Billig-Fusel, aber sei‘s drum. Nach langer Zeit gönnen wir uns ein delikates Fisch-Gericht, hurra. Was gibt es sonst noch über Cap Skirring zu berichten? Wir sehen das Fahrzeug von Fred Feuerstein am Straßenrand stehen und entdecken außerdem eine Kirche, in welche die Einheimischen eifrig hineinstürmen. Scheint gut zu sein, der Gottesdienst, wenn man von den Besucherzahlen ausgeht – davon können diverse Kirchen in Deutschland sicherlich nur träumen. Wie immer gibt es außerdem unzählige ‚Frisöre‘ in der Innenstadt, von denen wir uns aber möglichst fern halten. Genauso wie von der ‚Tourist-Information‘ – überteuerte Angebote zu angeblich spektakulären Orten haben wir in letzter Zeit zu Genüge erhalten.

Unsere Karten- App führt uns völlig in die Irre, bis wir es schaffen, bei unserem Übernachtungsort ‚Chez Saly’ anzukommen. Der Stellplatz bei der extrem sympathischen Saly ist wirklich ein sehr hübsches Plätzchen, auf dem ca. zwei Camper stehen können. Wir können auch Salys tolle Terrasse mit Meerblick nutzen; außerdem gibt es saubere sanitären Anlagen – wir haben nichts zu meckern hier.

Der Strand ist wunderschön sowie weitläufig und das Meer toll zum Baden. Nachts passt Salys lieber und anhänglicher, aber leicht durchgeknallter Hund ‚Haribo’ auf uns auf – und tagsüber kommt er immer mit an den Strand. Wir verbringen die Tage vor allem mit Schreiben, Baden und Chillen in der Strandbar ‚Le Petit Suisse‘. Der Name der Bar ist allerdings etwas irreführend: Es gibt nämlich weder Rösti noch Fondue noch sonst irgendeine Schweizer Spezialität – typisch West-Afrika. Apropos: Ein paar Kilometer von unserem Stellplatz entfernt entdecken wir eines Tages einen toten Delfin am Strand. Dessen trauriger Anblick scheint aber niemanden hier zu beeindrucken, denn er fault fröhlich vor sich hin, ohne weggeräumt zu werden. Wir hätten ihn ja gerne beerdigt – aber ein paar Tonnen können wir dann doch nicht alleine stemmen. Einen erfreulicheren Anblick bieten die tiefenentspannten Strand-Kühe, welche anscheinend außer Luft, Liebe, Sonne, Strand und Meer auch nicht viel brauchen, um glücklich zu sein. Wie wir erfahren, gelten Kühe hier in Westafrika übrigens vor allem als Statussymbol: Wer Kühe besitzt, gilt als wohlhabend und genießt ein gewisses Ansehen. Besonders, wenn ein Mann heiraten will, kann es angeblich eine Rolle spielen, wie viele Kühe er besitzt. Die Schönheit eines Mannes sind also quasi seine Kühe – nun ja, auch eine mögliche Sichtweise …

Am 24.03.19 kommen Dana und Frank auch nach Cap Skirring und wir verbringen einen netten (vorerst letzten) gemeinsamen Abend vor unseren Bussen. Da wir das Gefühl haben, dass es langsam ‚vorwärts’ gehen muss mit unserer Reise, brechen wir am 25.03.2019 auf in Richtung Guinea-Bissau – denn wir waren über 10 Wochen in Senegal und Gambia unterwegs (vom 13.01.2019 an). Es war eine schöne Zeit aber wir freuen uns auf neue Eindrücke und Erlebnisse …

   Send article as PDF   

Schreibe einen Kommentar